Ich arbeite (besser ich helfe) im Teng ab. Teng ab ist ein Komplex mit 4 verschiedenen Häuser (Bürohaus, Werkstatt, Gäste- & Bildungshaus (mit Räume für Seminars) und Bischofshaus). Jetzt hat der Chef (Balthasar) des Gästehauses erfahren, dass ich ein Hoteliersohn bin. Letzte Woche kam er auf mich zu und erklärte, dass er Touristen ins Teng ab locken will, ob ich ihm dabei helfen kann. Natürlich sagte ich ihm zu und studierte den Prospekt. Ich erklärte ihm, wir müssten einen Prospekt nur für Touristen machen, so kämen keine Touristen nach Teng-ab. Der Prospekt wirbt vor allem für Seminare und Gruppen. Zurzeit entwerfe ich einen neuen Prospekt. Wenn ich fertig bin, werde ich mit einem Priester eine Sitzung halten und über Internetseite (Blogseite, sonst bin ich überfordert), Eintrag in Reiseführern und Verteilung des Prospektes diskutieren. Mal schauen, was rauskommt.
Um mir ein Bild über das Gasthaus zu machen, lud mich Balthasar für einen Tag und für eine Nacht ein. Sie gaben sich enorm Mühe, sie bereiteten verschiedene, köstliche Mahlzeiten zu. Die Teller wurden sehr schön angerichtet (siehe meine Bilder). Ich konnte auch in einem schönen Zimmer übernachten, es war wirklich sehr sauber und sehr ruhig. Ich konnte sehr gut schlafen und kein Hahn weckte mich am Morgen. Mir war es manchmal ein bisschen peinlich, weil sie behandelten mich wie ein König. Dabei habe ich gar nicht so grosse Ahnung und bin auch nicht mehr so lange hier.
Schwein schlachten
Vorwarnung: Dieser Abschnitt ist nichts für schwache Nerven.
Endlich konnte ich einmal zu sehen, wie sie ein Schwein schlachten. 3-Mkräftige Männer halten das Schwein an den Beinen, am Bauch und am Kopf. Ein Mann schneidet in die Kehle bis der Kopf ab ist. Das Schwein quietscht, grunzt, leidet und bewegt sich ganz stark und die Männer haben Mühe ihn festzuhalten. Nach einer Weile verliert es das Bewusstsein und man hört nur noch wie die Lunge nach Luft verlangt. Man lässt es ausbluten und sammelt das Blut in einem Topf. Später wälzt man es im Feuer und die Borsten werden mit einer Schaufel abgeschabt und dann wird das Fleisch verarbeitet. In einem Video habe ich gesehen, dass das Schwein 4 Minuten leiden musste, das Messer war zu wenig scharf und man wechselte es aus.
In einer anderen Region sticht man mit einem Sperr direkt ins Herz. Mich nimmt es jetzt Wunder, wie man bei uns ein Schwein schlachtet.
So genug ich werde bald das Mittag einnehmen.
Anstandsregeln
Hier in Bontoc begrüsst man einander nur sehr selten, man nickt eher und man fragt auch nicht nach, wie es einem geht. In der Schweiz fragt man dies viel, manchmal interessiert es einen auch gar nicht oder man will nicht sagen, dass es einem schlecht geht.
Man fragt hier: Where are you going? Es ist eine sehr praktische Frage. Wenn jemand in den Wald geht, um Holz zu holen, wissen die Leute, wo er steckt. Wenn er nicht mehr zurückkehrt, wissen sie, wo man ihn suchen kann.
Gegessen wird hier viel von Hand, ich muss aufpassen, dass es nicht zur Gewohnheit wird. Rülpsen und spucken ist hier anständig, innere Hygiene. Finde ich auch menschlich.
Danke sagen gehört sicher nicht zu den Stärken der Filipinos, in den Geschäften bedankt man sich selten bis nie. Vielleicht bedanken sie sich mit einer versteckten Mimik oder Gestik.
Ich habe gelesen, dass die Filipinos nicht "nein" sagen können. Ich erfahre jeden Tag das Gegenteil. Ich möchte schon lange eine alte Frau mit Tätowierungen und mit Kopfschmuck fotografieren, aber sie sagen mir immer nein. :-( Aber ich gebe nicht auf.
Tinoc
Leider erhielt ich keinen Gin Tonic (gehört zwar nicht zu meinen Lieblingsgetränken) in Tinoc. Dafür schenkten die Einheimischen mir einen pasiking (Rucksack, gemacht aus der Schlingelpflanze Ratan, ähnlich wie eine Tschiffra). Leider nahm ich das Geschenk nicht persönlich entgegen, weil Jean-Robert nur eine Kopie vorbeibrachte. Ich freute mich sehr über den Rucksack, sicher ein sehr wertvolles Geschenk und besser als Gin Tonic. :-)
In Tinoc probierte ich mit einer grossen Schere den Rasen zu schneiden. Gar nicht so einfach, wie es aussieht (siehe meine Bilder).
Wanderung: Maligcong - Guina-ang - Mainit
Am Wochenende wanderten die Familie Hübscher, zwei Filipinas und ich von Maligcong nach Mainit. In Maligcong hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Reisterassen. Ich fühlte mich wie in Australien als ich den Whitehaven Beach sah, wunderschön. In Guina-ang ernteten die Filipinas den gepflanzten Reis. Es war interessant zuzuschauen, wie sie den Reis, mit einem Stock und an den Enden zwei Tragkörben aus Ratan befestigt, transportieren. Beim Wort Reis frohlockt jetzt mein Gaumen, ich habe mich daran sehr gut gewöhnt.
Nach mehrstündigen Wanderung erreichten wir Mainit und genossen das warme Wasser im Pool. Ich besuchte die Quelle, wo das Wasser herausspringt. Das Wasser ist so heiss, dass man Eier kochen und Kartoffeln sieden kann, ersetzt praktisch die Küche.
Jetzt bin ich noch eine Woche in Bontoc, entwerfe einen Prospekt und helfe den anderen Büros ein bisschen. Am Wochenende werde ich an einem Seminar in Banaue teilnehmen, dafür muss ich 3 Animationslieder vorbereiten. Nachher reise ich für 2 Tage nach Baguio (eine grössere Stadt) und werde eine Woche bei Martin Hungerbühler in Mangatarem weilen. Er ist auch eine BMI-Fachperson (Krankenpfleger). Ich werde sicher wieder viel erleben. Die Themen Schule und Rituale werde ich auch noch unter die Lupe nehmen. Ich habe also in den letzten paar Wochen noch viel vor.
Ich wünsche euch eine erfreute Zeit, bis zum nächsten Mal. Chapeau.
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