Markt
Sonntags ist immer grosser Markt in Bontoc. Die Menschen aus den umliegenden Doerfer pilgern in die Hauptstadt des Bezirkes Mountain Province und verkaufen ihre Produkte, etwas billiger als die anderen Tagen. Es wird gemaertet, Huehner geschlachtet und ueber Gott und die Welt diskutiert.
Das die Filipinas am Sonntag arbeiten, ist schon erstaunlich, besonders weil es ein katholisches Land ist. Sogar die Strassenarbeiter stehen frueh morgens auf und errichten neue Strassen. Vielleicht muessen sie jeden Tag zur Arbeit gehen, um ihr taegliches Brot (besser Reis) zu verdienen. Ich glaube schon, dass sich diese Region weiterentwickelt, aber dafuer muss die Korruption abnehmen. Die Gelder fuer neue Projekte werden oft abgezweigt. Die Politiker werden immer reicher und das Volk immer aermer.
Betwagan
Am letzten Mittwoch konnte ich Magda (Staff, Family and Life Office) nach Betwagan begleiten. Zuerst fuhren wir 45 Minuten Bus und dann liefen wir noch 45 Minuten (oder laenger, die Zeit spielt mir hier nicht so eine Rolle) bis zum Dorf. Betwagan ist noch nicht an einer Strasse angeschlossen, aber so wie ich sah, macht man zurzeit eine Strasse. Als wir in Betwagan ankamen, schauten mich die Kinder mit grossen Augen an. Sie sind sich nicht gewohnt, dass ein Bleichgesicht ihr Dorf besucht. Als Tourist findet man das Dorf, glaube ich, nicht. Eigentlich waere ein Seminar ueber Natural Family Planning geplant gewesen, aber die Einwohner von Betwagan haben den Termin um zwei Tagen verschoben. Wir blieben noch etwas in Betwagan und ich konnte ein paar Fotos schiessen. Wir assen noch etwas (Avocados, Reis und Eieromeletten) und um 13:00 Uhr spazierten wir wieder zur Strasse (besser holprige Bergstrasse) und warteten auf einen Bus, der nie kam. Ich finde, die Filipinas sind sehr gemuetliche Leute und wuerden gut im Club der Gemuetlichen passen. Waehrend dem Warten auf eine Fahrgelegenheit redeten die Filipinas gemuetlich in ihrem Dialekt. Eine aeltere Frau wusste anscheinend spannende Geschichten zu erzaehlen, weil die anderen Filipinas aufmerksam zuhoerten. Ich verstand leider nichts und schrieb irgendetwas in mein Heft hinein und spielte mit einem runden Stein. Es kamen immer mehr Filipinas hinzu, besonders viele Maenner kehrten aus den Reisfeldern zurueck. Sie trugen meistens ein Schwert oder eine "Mansette" bei sich, um sich gegebennfalls zu verteidigen, aber ich glaube, dass ist hier nicht so noetig. Man teilte auch Fruechte miteinander. So nach 2 Stunden kam endlich ein Jeepney. Ich dachte schon, wir koennten jetzt endlich nach Bontoc fahren, aber oho, der Chauffeur stieg aus und zuendete sich eine Zigarette an und machte nicht den Anschein weiterzufahren. Die Mitfahrer stiegen auch aus und nahmen ihr Gepaeck heraus. Sie blieben noch alle gemuetlich bei der Haltestelle und erzaehlten einander den neusten Klatsch und Tratsch. Ungefaehr nach einer halben Stunde hielt ein 2. Jeepney bei uns an. Auch hier stiegen alle direkt aus. Man begruesste sich einander und so nach 20 Minuten begab man sich langsam Richtung Betwagan. Man half einander das Gepaeck zu tragen. Die Frauen tragen ihre Koerbe oft auf dem Kopf. Der 2. Jeepney fuhr leider in die andere Richtung. Der Chauffeur des 1. Jeepney witzelte umher und zog immer noch gemuetlichin in einer Ecke an einer Zigarette. Nach 3 Stunden Warten begannen die uebriggebliebenen Filipinas (zu meinem Erstaunen waren wir nur noch zu fuenft, die meisten Maenner warteten anscheinend gar nicht auf einen Bus und gingen nach Hause) den Chauffeur zu fragen, ob er uns nach Bontoc fahren koennte. Schnell stiegen wir alle in den Jeepney ein und verhandelten zuerst ueber den Preis. 750 Pesos verlangte er zuerst, aber wir konnten ihn noch bis 650 ( Fr. 17,80) Pesos druecken. Fuer uns ist dies sehr billig, aber fuer die Filipinas eine Menge Stange Geld, weil sie taeglich Maximum 150 Pesos (meistens weniger) verdienen. Waehrend der Fahrt hielt der Chauffeur mehrmals an und wollte mehr verlangen. Beim letzten Stopp wollte er das Geld sehen, sonst waere er nicht mehr weitergefahren. Schliesslich kamen wir um 18:00 in Bontoc an. Der Ausflug nach Betwagan war fuer mich sehr eindruecklich und spannend. Ich fuehlte mich da wie im Lied "I am an Alien in New York", den Name des Kuenstlers weiss ich leider nicht mehr.
Magda musste am Freitag nochmals nach Betwagan gehen, um ihren Vortrag zu halten. In diesem Vortrag erklaert sie den Filipinas, wann die Frauen fruchtbar sind und welche Methoden existieren. Von Verhuetungsmitteln haltet man hier nicht viel und ist verpoent, weil es die Kirche verbietet.
Traditionen
Eines Abends kam Auntie Grace zu mir und schlug mir vor um 6:00 Uhr zur Messe zu gehen und dann ein Kaffee in Bontoilic (Ursprung von Bontoc). Ich haette mir nie vorgestellt, dass ich einmal um 6:00 Uhr aufstehe und zu einer Messe gehe, die in Ilocano (philippinische Sprache) gehalten wird, aber es schien etwas Besonderes zu sein. Ich erwache sowieso immer um 4:00 Uhr, weil dann die Haehnen kreischen (Kikeriki) und dose dann noch etwas. Ich schlafe auch nicht so sonderlich gut, waehrend der Nacht hoert man Schweine grunzen, Kaefer machen sirenenaehnliche Geraeusche und Hunde bellen, wie auf einem Bauernhof.
Also ging ich um 6:00 Uhr zur Messe, fuer diese Zeit erschienen schon sehr viele Menschen. Ein junger Pfarrer hielt die Messe. Nach der Messe spazierten mehr als die Haelfte Richtung Bontocili, frueher lebten dort die Reichen, aber jetzt sind sie nur noch reich an Blut. An einem ,mit Blachen ueberdachten, Platz wurde das Fruehstueck und der Kaffee seviert. Das Essen (Nudeln , suesses Brot und ein Reisgericht namens Batubat) wurde in einem Plastiksack ueberreicht. Ich, als Weisser, erhielt natuerlich wieder einen Ehrenplatz, wovon Auntie Grace und ihre Kolleginen profitieren konnte. Jedes Mal, wenn ich einem Anlass beiwohnen (Hochzeit, Priesterempfang usw.) sitze ich an einem Ehrenplatz, man kommt sich schon ein bisschen komisch vor. Die Filipinas sind aber stolz, wenn Americanos (so nennt man uns hier) ihre Anlaesse besucht.
Auntie Grace erklaerte mir, dass vor 9 Tagen der Vater dieser Familie gestorben sei und es Tradition ist, nach 9 Tagen Kaffee zu spendieren. Diesen Anlass nennt man Novena. Ich werde sicher noch mehr Rituale und Traditionen miterleben koennen, weil Auntie Grace mir das Leben hier naeher bringen will. Ich bin gespannt.
Arbeit
Ich suche zurzeit immer noch Adressen fuer bestimmte Projekten heraus, aber bin bald fertig. In den naechsten Wochen werde ich viel unterwegs sein und ich hoffe, dass ich noch viel erleben darf.
Ich wuensche euch noch einen schoenen Sommer, so wie ich gehoert habe, zeigt sich die Sonne wieder und es ist warm.
Allen Teilnehmer vom Gruempelturnier in Reckingen wuensche ich viel Erfolg. Juve wird im naechsten Jahr das Turnier wieder bereichern.
En gmietlichi Zyt nu!
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