Schoen zu lesen, dass mein Blog besucht wird. Danke vielmal. So macht es auch mehr Freude in diesem Blog zu schreiben. Ich bin jetzt kaum eine Woche hier und habe schon so viel erlebt und gelesen. Leider habe ich bis jetzt fast keine Fotos gemacht. Matthias wird mir noch eine Bildergalerie einrichten und dann werde ich einige Fotos aus Bontoc und Umgebung liefern.
Zuerst einmal moechte ich die Schweizer Familie vorstellen. Sie heissen Bruno(Vater), Marianne (Mutter), Lukas (7), Nadine (4 1/2) und Philipp (13 Monate). Sie sind seit anfangs 2005 hier und werden noch fuer ungefaehr 10 Monaten bleiben. Bruno ist Theologe (frueher Bankfachmann) und Marianne Kindergaertnerin und Behindertenbetreuerin. Lukas und Nadine gehen hier zur Schule.
Ich wohne bei Auntie Grace (45) und bei Uncle Carlito (55). Es ist normal hier, dass man alle aelteren (?) Personen mit Auntie und Uncle benennt, sie moegen es sehr. Auntie Grace arbeitet im Gemeindebuero und Uncle Carlito ist zurzeit arbeitslos. Uncle Carlito arbeitete als Strassenvorarbeiter. Sie haben ein paar Schweine, Huehner, eine Katze und einen lieben und braven Hund. Uncle Carlito renoviert zurzeit etwas das Haus. In letzter Zeit haben sie mir etwas Infontok Dialekt beigebracht und haben grosse Freude dabei. In Philippinen existieren ungefaehr 70-80 Sprachen.
Sie besitzen auch einen Fernsehen, gestern kam zum Beispiel Deal or No Deal. Es ist genau das Gleiche wie in der Schweiz. Maximum 75000 Fr. (3 Mio Pesos) kann man gewinnen, dass ist fuer ein Philippino sehr viel Geld. Durchschnittlich verdienen sie in etwa 5 Fr. oder weniger pro Tag. Der gestrige Kandidat haette den Hauptgewinn gewonnen, wenn er bis zuletzt gespielt haette, aber das Risiko war zu gross. Wenn ich die Sendung mit der Schweiz vergleiche, zeigt man hier viel mehr Emotionen und man sitzt nicht, sondern man steht. Die Filippinos fiebern mit Seel und Leibe mit. Es kommt auch mehr Stimmung auf. Wer etwas mehr darueber erfahren moechte, kann die Seite http://www.petit-suisse.ch.vu/ besuchen, Ralf hat ueber Deal or No Deal ein bisschen mehr rechechiert.
Interessant ist hier sicher auch, wie man die Schweine transportiert. Man bindet die Vorder- und die Hinterbeine zusammen und 2 Personen tragen das Schwein mit einem langen Stock. Die Schweine quietschen dabei, ist sicher nicht angenehm. Wie die Schweine gemetzget werden, kann ich vielleicht einmal miterleben und werde sicher darueber berichten.
Gestern war ich zum ersten Mal im Teng ab, wo ich dann mithelfen werde. Da hat es ziemlich viele Bueros, die fuer die Familien, Jugendliche, Altaere, BECs usw. zustaendig sind. Ich war bis jetzt erst im BECs und im Buero fuer Jugendliche.
Was bedeutet BECs?
Basic Ecclesial Communities. Basisgemeinden
Sie besteht aus 8 Elementen: Glaubensgemeinschaft, fuer die Armen, regelmaessige Sitzungen, werden von Laien gefuehrt, aehnliche Veranstaltungen usw.
In jedem Dorf sollte es ein BEC geben und die sollten sich in der Woche mehrmals treffen. Derjenige, der die Treffs organisiert, ist meistens ein Laie, weil auch hier Priestermangel herrscht. Das Christentum gibt es hier auch erst seit ungefaehr 100 Jahren.
Zuerst liest man eine Geschichte in der Bibel. Dann nimmt man ein paar Saetze heraus und philosophiert darueber. Spaeter reflektiert man den Text mit seinem eigenen Leben. So faengt man dann ueber die eigenen Sorgen und Problemen zu diskutieren und man probiert gemeinsam die Problemen zu loesen. Die Gemeinschaft zaehlt hier mehr als das Individuum. Hier probiert man einander zu helfen, weil es allen nicht so gut geht. Ich werde dieses Thema sicher noch ein bisschen besser erlaeutern koennen, ich will es zuerst einmal selber erfleben koennen.
Vielleicht hatte bei uns der Aabesitz frueher einen aehnlichen Zweck oder diente es mehr der Unterhaltung, wie Boozegeschichten erzaehlen, jassen, Pfeife rauchen usw.? Vielleicht hat man auch versucht zusammen Probleme zu loesen? Vielleicht wisst ihr darueber mehr?
Ich vergleiche hier die Situation ein bisschen wie bei uns vor 50-60 Jahren. In meiner Maturaarbeit "Lasst hoeren aus guter alten Zeit" habe ich ein Interview mit einem Grossonkel ueber die damalige Zeit geschrieben und mit heute ein bisschen verglichen. Zwar existieren hier Handys, Internet (ungefaehr 20 Internetcafes) und TV's (sie sind zwar sehr arm, aber irgendwie koennen sie es sich leisten), was vor 50 Jahren bei uns noch unvollstellbar war.
Damals war auch das Wasser ein grosses Problem (Ausserberg). Sie mussten Suonen bauen um Wasser zu bekommen. Hier hat man zwar auch Quellen, aber die werden manchmal von Taifune zerstoert. Hier hat man meistens Wassertanks, das Wasser muss man dann kaufen.
Die Autoritaet des Pfarrers und des Lehrers ist hier sehr gross. Was der Pfarrer oder der Professor predigt ist richtig, hinterfragt wird hier fast nie. Den Priestern geht es hier auch ziemlich gut.
Die Kleider waescht man hier auch mit kaltem Wasser, dazu braucht man eine starke Seife. Ich glaube frueher hat man bei uns auch mit kaltem Wasser gewaschen. In Reckingen wird in den naechsten Monaten ein Film realisiert. Da wird gezeigt, wie man frueher gebackt, gewascht, gesagt oder gemahlt hat und ich werde es dann erfahren. Ich werde hier sicher mehrmals meine Kleider waschen duerfen.
Die Messen besuchen hier viel mehr Jugendliche als bei uns, aber sie nehmen immer mehr den amerikanischen Stil an. Vielleicht entwickelt sich hier alles gleich, wie bei uns. On verra!
So: Flasche leer, ich habe fertig! Bis zum naechsten Mal!
P.S. Ich wuensche natuerlich meinen Fussballkollegen viel Erfolg im Cupfinal! Faeget die Minschtiger so richtig vam Platz aefort! Ich druecke von hier aus kraeftig die Daumen. Moechte am liebsten auch dabei sein...
Hopp Grathorae!!!
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
1 Kommentar:
Heute Deinen Blog gefunden. Ich werde ihn lesen. Deutschsprachige Blogs zum Thema Philippinen sind sehr selten. Haben daher deinen Blog in einem Beitrag bei Phildreams.de verlinkt. Über einen Backlink würde ich mich freuen.
Kommentar veröffentlichen